Ein Modell der bio verlag gmbh
Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entstehen aus dem Zusammenwirken aller Beteiligten. Daher ist es nur angemessen und fair, wenn die MitarbeiterInnen auch am Erfolg unseres Unternehmens teilhaben.
Im Spannungsfeld zwischen Team/Unternehmen und Mitarbeiter/Individuum, zwischen Sicherheit und Chancen, Gegenwart und Zukunft haben wir uns für ein differenziertes Modell der Erfolgsbeteiligung entschieden.
Juristische Grundlage: Der Arbeitsvertrag
§ 5 Jahresabschlussgratifikation
Zwischen GF und MitarbeiterInnen wird zu Ende des Vorjahres vereinbart, bei welcher Geschäftslage und in welcher Höhe für das betreffende Kalenderjahr (Jahr 1) eine Jahresabschlussgratifikation anfällt. Die Vereinbarung wird in Form einer Erklärung der GF verbindlich gemacht.
Es besteht kein Anspruch auf die Jahresabschlussgratifikation aufgrund von Zahlungen vorangegangener Jahre.
Anspruch auf Jahresabschlussgratifikation haben Mitarbeiter, die bis einschließlich 30.06. des Folgejahres (Jahr 2) im Unternehmen beschäftigt sind.
Bestand das Arbeitsverhältnis nur für einen Teil des betreffenden Kalenderjahres (Jahr 1), wird ein entsprechender Bruchteil ausgeschüttet.
Die Auszahlung der Jahrsabschlussgratifikation erfolgt am 01.07. des folgenden Kalenderjahres.
Ablauf:
Mitte des Jahres legt die Geschäftsführung eine erste Jahresplanung für das nächste Jahr vor. Die Annahmen zu Umsätzen, Kosten und Entwicklungen werden gemeinsam überprüft und wo nötig korrigiert. Anhand der Ergebnisse werden Grundgehalt und eventuelle Gewinnverwendung für das folgende Jahr zwischen Unternehmen und MitarbeiterInnen vereinbart. Dabei wird auch über den mindestens erwarteten Erfolg Einigkeit geschaffen.
Planungs-Grundlagen:
Umsatz
minus externe Kosten (Druck, Porto...)
minus interner Wertverbrauch (Abschreibung ...)
minus Mindest-Investitionen - "Beitrag Allgemeinheit"
gleich Verfügungsspielraum(Erklärung "Beitrag Allgemeinheit": Wir gehen davon aus, dass im Rahmen des heutigen Steuer- und Abgabensystems einige Kosten nicht internalisiert sind, ein Unternehmen also in der einen oder anderen Art ökologisches oder soziales Kapital verbraucht, ohne dafür Ersatz zu schaffen. Daher haben wir entschieden, 1 % unseres geplanten Umsatzes für Aktivitäten zu nutzen, die ökologisches und/oder soziales Kapital vermehren. Darunter fallen unter anderem - aber nicht nur - Spenden.)
Im Rahmen dieses Verfügungsspielraumes entscheiden wir über Gehaltshöhe, Grund-Verzinsung Kapital, weitere Investitionen, Aufstockung Reserven ...
Umsatz
minus externe Kosten (Druck, Porto ...)
minus interner Wertverbrauch (Abschreibung, Wertverlust ...)
minus Mindest-Investitionen
minus "Beitrag Allgemeinheit" (Spenden u.ä.)
minus Gehälter
minus Verzinsung Kapital
minus Investitionen
minus Aufstockung Reserven
gleich ErfolgDer Erfolg wird dann aufgeteilt auf Mitarbeiter, Kapital, weitere Projekte/Investitionen, Zuführung Reserven.
Erfolgs-Berechnung am Jahresende:
Wir ermitteln den Jahres-Erfolg analog einer Gewinn- und Verlustrechnung.
Wir korrigieren um periodenfremde Erlöse und Kosten.
Wir sind konservativ bezüglich Risiken, Abschreibungen etc. Wo immer ratsam, rechnen wir diese der laufenden Periode zu.
Im Zweifelsfalle sind wir eher zu vorsichtig - also ziehen sie vom Erfolg ab.
Wir entscheiden über die Höhe des Erfolges (Geschäftsführung schlägt vor und stimmt mit Abteilungsleiterversammlung ab)
Wir legen am Ende des Vorjahres fest, wie das Verhältnis Erfolg/Mitarbeiter und Erfolg/Kapital sein soll.
Am Beispiel für das Jahr 2005: Wir strebten einen Erfolg von 245 000 Euro an. Dieser sollte zu rund 80 % an die MitarbeiterInnen gehen, zu 20 % an die Kapitaleigner.
Wir fördern die Beteiligung von MitarbeiterInnen am Unternehmenskapital im Rahmen ihrer Möglichkeiten und stimmig zum Gesamtinteresse. Dies geschieht in Form von
Juristische Grundlage für beides: Der Arbeitsvertrag
§ 4 Vergütung
Absatz 5.
Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit sich im Rahmen des Mitarbeiter-Beteiligungsmodelles am Unternehmen zu beteiligen. Die genauen Modalitäten werden zwischen Mitarbeiter und Geschäftsführung vereinbart.
Stille Beteiligung:
Grundlagen:
- Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine stille Beteiligung am bio verlag.
- Nach 6 Monaten Verlagszugehörigkeit kann sich ein Mitarbeiter als stiller Gesellschafter am bio verlag beteiligen.
- Aufstockungen der Beteiligung sind nach 18, 24, 36 ... Monaten möglich
- Der konkrete Umfang der Beteiligung wird zwischen GF und dem Mitarbeiter vereinbart.
- Die Verzinsung beträgt maximal 15% pro Jahr.
- Die Teilnahme an den zweimal pro Jahr stattfindenden Gesellschafterversammlungen ohne Stimmrecht wird erwartet.
- Die stille Beteiligung nimmt nicht an einem eventuellen Verlust teil.
- Es gibt einen Höchstbetrag, mit dem sich ein Mitarbeiter beteiligen kann. Dieser hängt einerseits vom Umfang der regelmäßigen Arbeitszeit ab. Seine Höhe ergibt sich pragmatisch aus mehreren Überlegungen.
Bedeutung für den Mitarbeiter: Der Anteil des Mitarbeiters soll für ihn eine gewisse Bedeutung haben und die Beteiligung sollte nicht den Großteil seines Vermögens ausmachen (können).
Ähnliche Chancen: Der Anteil soll von allen Mitarbeitern im Laufe der Zugehörigkeit und aus dem Arbeitseinkommen erworben werden können.
Kapitalbedarf: Um einen 35-h-Arbeitsplatz zu schaffen und zu erhalten, muss der Verlag 10-30 000 Euro investieren. Im Laufe der Jahre refinanziert ein Mitarbeiter bei 21 000 Euro Beteiligung also in etwa seinen Arbeitsplatz - was den Verlag dauerhaft ziemlich unabhängig von äußeren Kapitalgebern macht.Details (mit Beispiel 35-h-Stelle):
- Nach 6 Monaten: Beteiligung mit max. 57 Euro/regelmäßige Wochen-Arbeitsstunde möglich. Bei 35 Wochenstunden sind das maximal 2015 Euro. Dazu kommt ein Zuschuss vom Verlag von 135 Euro (steuer- und sozialversicherungsfrei). Die Beteiligung beträgt dann 2.150 Euro.
- Nach jeweils 6 weiteren Monaten:Die Verzinsung für die vergangenen 6 Monate wird abzüglich Kapitalertragssteuer und Solizuschlag an den MA ausgezahlt werden. Jeder Mitarbeiter kann sich dann mit gleichem Betrag wie in 1. still beteiligen.
Bei 35 Wochenstunden sind das weitere 2.015 Euro. Dafür gibt es wieder einen Zuschuss von 135 Euro. Der Wert der Beteiligung beträgt dann 4.300 Euro.- Dies gilt, bis die von der regelmäßigen Wochenarbeitszeit abhängige maximal mögliche Beteiligung erreicht ist. Bei Durchführung des "Sparplanes" ist dies nach 5 Jahren der Fall. Bei 35 Wochenstunden beträgt die maximal mögliche stille Beteiligung 21 000 Euro.
Gesellschaftsanteile:
Grundlagen:
Nach 2 Jahren Verlagszugehörigkeit kann der Mitarbeiter oder die GF den Erwerb von Gesellschaftsanteilen vorschlagen. Ob erworben werden kann oder nicht entscheiden die Gesellschafter.
Der GmbH-Anteil, den der Mitarbeiter erwirbt, hat zwei Besonderheiten:
- Bei Beendigung der Mitarbeit wird der Anteil vom Verlag eingezogen, der Mitarbeiter erhält den Betrag, den er für die Übernahme bezahlt hat, zurück.
- Der Anteil nimmt vom Zeitpunkt des Erwerbs bis zum Einzug am Gewinn teil (wir sagen eine "feste" Verzinsung von 7,5% zu und streben weitere 7,5% als Erfolg an).
Wird nichts anderes vereinbart, wird das wie folgt umgesetzt: Der Mitarbeiter erwirbt einen 50-Euro-Anteil der GmbH. Der Wert des Anteils - Nennwert und Aufgeld - entspricht dem nach dem "Stuttgarter Verfahren" ermittelten "gemeinen Wert" - momentan ca. 900 Euro. Dieser ist vom Mitarbeiter zu bezahlen.
Mitgestaltung: Ziel ist, dass Mitarbeiter mit höherer Stundenzahl - also höherem Engagement und höherer Abhängigkeit vom Verlag - auch höheren Einfluss, also mehr Stimmrechte, haben. Aus formalen und finanziellen Gründen regeln wir dies nicht über die Anzahl der erworbenen Anteile, sondern über Anteile mit unterschiedlichen Stimmrechten. Deshalb existieren 50 Euro-Anteile mit einem erhöhten Stimmrecht.
# Mitarbeiter von 29-35 h erwerben einen Anteil mit 10fachem Stimmrecht
# Mitarbeiter von 22-28 h erwerben einen Anteil mit 7,5fachem Stimmrecht
# Mitarbeiter von 15-21 h erwerben einen Anteil mit 5fachem Stimmrecht
# Mitarbeiter von 09-14 h erwerben einen Anteil mit 2,5fachem StimmrechtMomentan beträgt das Gesellschaftskapital 35250 Euro.40 Mitarbeiter haben sich mit 281.000 Euro still beteiligt. 17 Mitarbeiter sind Gesellschafter der GmbH und haben einen Stimm-Anteil von rund 21 %.