BioHandel 2/2012

Biofach / Vivaness 2012

Treffpunkt der Branche

Die Weltleitmesse BioFach betont auch in diesem Jahr ihren Anspruch, wichtigstes Forum für den fachlichen Austausch der Bio-Branche zu sein. Eine wesentliche Neuerung ist der Fish Market in Halle 6. Den Fachhandels Treff finden Besucher jetzt an zentraler Stelle in Halle 9. Die deutschen Aussteller erwarten eine weiterhin positive Marktentwicklung. // Gisela Burger, Horst Fiedler

Biofach

Von Mittwoch bis Samstag, 15. bis 18. Februar, wird das Nürnberger Messezentrum wieder zum global größten Treffpunkt für Hersteller und Vermarkter ökologischer Waren. Die BioFach, Weltleitmesse für Bio-Produkte, und die Leitmesse für Naturkosmetik und Wellness, Vivaness, laden erneut Fachbesucher aus dem In- und Ausland ein. Etwa 2.500 Aussteller und 44.000 Fachbesucher erwarten die Organisatoren. Rund 200 Unternehmen präsentieren sich allein auf der Vivaness.

Staatskrisen wirken sich auf Meldeverhalten aus

Die finanziellen Staatskrisen in einigen europäischen Ländern und die politischen Veränderungen in mehreren arabischen Staaten haben bei ausländischen Messe-Ausstellern zu großer Unentschlossenheit bezüglich der Teilnahme geführt: ?Vor allem Unternehmen aus Südeuropa und dem Mittelmeerraum haben Anmeldungen spontan zurückgezogen und am darauf folgenden Tag wieder eingereicht?, sagt Udo Funke, Leiter des Messeduos. ?Am stärksten zu beobachten sind solche Verhaltensweisen bei Ländern, die in hohem Ausmaß von staatlichen Förderungen abhängig sind?, so Funke weiter. Bei den deutschen Ausstellern sei die Zahl der Anmeldungen mindestens auf Vorjahresniveau. Besonders die Aussteller und Besucher, die die Messe nicht nur als Plattform für Geschäfte, sondern auch als Forum des Branchen- und Wissensaustausches wahrnehmen, reisen nach Beobachtung der Veranstalter seit Jahren kontinuierlich an.

Deutsche Aussteller sowie Behörden und Anbauverbände sind schwerpunktmäßig wieder in den Hallen 6, 7 und 9 vertreten. Internationale Aussteller finden sich in den Hallen 1 bis 5. Die Warengruppen Wein und Olivenöl werden wie gewohnt in Halle 4 A präsentiert. Die Vivaness wurde in Halle 7 A untergebracht (s. Karte oben).

Sieben Foren für den Wissenstransfer ? Nachhaltigkeit ist Schwerpunktthema

Auch in diesem Jahr sorgen BioFach Kongress und Vivaness Forum für Wissenstransfer auf beiden Fachmessen. Marktbeteiligte sowie Vertreter aus Politik und Verbänden informieren und diskutieren dort wichtige Zukunftsfragen. Neben allgemeinen Bio-Fachthemen finden interessierte Besucher des Kongresses Wissenswertes in sieben Foren: Fachhandels Forum, Fair Forum, Gastro Forum/HoReCa Forum, Nachhaltigkeits Forum, Textil Forum, Wein Forum, Vivaness Forum. BioHandel weist in dieser Messe-Vorschau auf ausgewählte Programmangebote hin. Das gesamte Programm ist online unter www.biofach.de/kongress abrufbar.

Im Kongress, an dessen zuletzt 150 Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops laut NürnbergMesse rund 8.000 Fachbesucher teilnahmen, steht 2012 eine Frage über die verschiedenen Foren und Themen hinweg im Zentrum: Was genau zeichnet eine wahrhaft nachhaltige Lebensmittelwirtschaft aus und wie definiert die Bio-Branche eines ihrer Kernthemen, die Nachhaltigkeit?

Das Schwerpunktthema 2012 ?Nachhaltigkeit in der Bio-Bewegung? rückt ins Zentrum des neu eingerichteten Nachhaltigkeits Forums. Highlights der insgesamt elf Termine sind unter anderem: ?Status Quo, Potenziale und reale Vision nachhaltigen Wirtschaftens? (Mittwoch, 16 Uhr) und ?Analyse, Optimierung und Kommunikation von Nachhaltigkeit in Bio-Wertschöpfungsketten? (Donnerstag, 14 Uhr). ?Welche Aspekte müssen ausgebaut werden und wie können sich Öko-Unternehmen erfolgreich mit Nachhaltigkeits-Themen gegenüber den konventionell wirtschaftenden positionieren??, nennt Markus Arbenz, Geschäftsführer des Messe-Partners IFOAM, eine zentrale Frage, die diskutiert werden soll.

Neues Kongressformat: BioFach Camp

Unter dem Motto ?Sustainability in Practice? findet 2012 erstmals das sogenannte BioFach Camp statt. Das Besondere an diesem neuen Kongressformat: Bis Mitte Januar konnten sich Interessierte mit einem Workshop-Thema (Schwerpunkt: Nachhaltigkeit in der Bio-Branche) online bewerben. Nach Ablauf der Einreichungsfrist folgte ein Online-Voting bei dem über die fünf Themen des als Open Space-Veranstaltung konzipierten Camps abgestimmt wurde.

Gemeinsam haben die NürnbergMesse, die Young Organics sowie die SÖL (Stiftung Ökologie & Landbau) die sozialen Netzwerke dazu genutzt, die Abstimmung bekannt zu machen. Die Veranstaltung geht damit neue Wege des Mitgestaltens und bereichert das Kongressangebot um einen interaktiven Part. Termin: Mittwoch, 15 bis 18 Uhr. Weitere Infos unter www.biofach.de/kongress/biofach-camp/

Premiere für den ?Fish Market?

2012 können Liebhaber von Fischspezialitäten in Bio-Qualität sich auf ein besonderes Highlight freuen: Der Fish Market eröffnet in Halle 6! In maritimer Marktatmosphäre können Facheinkäufer, die auf der Suche nach zertifizierten Produkten aus dem Segment Fisch und Meeresfrüchte sind, sich dort informieren und kulinarische Fischkreationen vor Ort verkosten. Der Fish Market ist ein gemeinsames Projekt von BioFach und dem Anbauverband Naturland.

Ergänzt wird das topaktuelle Thema durch das Fisch Forum am Donnerstag ab 12 Uhr im Raum Seoul. Im ersten ? deutschsprachigen ? Teil geht es um Öko-Aquakultur und nachhaltige Fischerei: Herausforderungen für den deutschen Einzelhandel. Die beiden folgenden ? englischsprachigen ? Teile befassen sich mit Öko-Aquakultur in Europa und der Herausforderung Nachhaltigkeit sowie mit Nachhaltigkeitskriterien im weltweiten Markt für Meeresfrüchte.

?Pioniergeistempfang? in Halle 9

Schon jetzt beweisen sich Bioläden, Bio-Supermärkte und Naturkosmetik-Fachgeschäfte auch in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrisen als äußerst stabil und innovativ. Um sich weiterhin den Herausforderungen stellen zu können, hält das BioFach-Team gemeinsam mit verschiedenen Partnern ein Rahmenprogramm für Fachhändler von Bio- und Naturkosmetikproduzenten bereit ? am Fachhandels Treff. Als Ort des Austausches für den Bio-Fachhandel feierte er 2011 Premiere. Das Konzept eines zentralen Treffpunkts wird 2012 fortgeführt. Der Treff, der auch als ?Pioniergeistempfang? bezeichnet wird, rückt allerdings ? und das ist neu ? in die Halle 9 und damit auf vielfachen Wunsch näher an das Messegeschehen heran.

Zum Fachhandels Treff gehören zwei Bereiche: Das Fachhandels Forum als Teil des Kongressprogramms und der Fachhandels Club. Unternehmer und Entscheider des Bio-Fachhandels können sich vorab und vor Ort registrieren. Der Eintritt zum Fachhandels Club, einem Ort für konzentrierte Gespräche, gezielte Information und Entspannung, ist kostenlos. Eine Legitimation ist jedoch erforderlich. Diese gilt dann für einen Fachbesucher plus maximal eine Begleitperson.

Das Fachhandels Forum findet dieses Jahr (bis auf zwei Veranstaltungen) in einem eigens dafür gebauten Raum direkt in Halle 9 statt, direkt am Übergang zu Halle 8 und im Umfeld des Übergangs zu den Hallen 6 und 7 (www.biofach.de/fachhandel).

Hersteller vor der BioFach: Gute Stimmung trotz knapper Rohstoffe

Die BioFach wird weiterhin von einer positiven Grundstimmung getragen. Weltweit, aber vor allem in den wichtigsten Märkten USA und Europa, zieht die Nachfrage nach Bio-Produkten weiter kräftig an. Ebenso wachsen die Flächen, auf denen biologischer Landbau betrieben wird, auch wenn das Angebot der Nachfrage an Rohstoffen weiter hinterher hinkt. Dabei ist außer gesundheitlichen und ökologischen Beweggründen eine generelle Werte-Orientierung der Verbraucher ein zunehmend wichtiges Motiv für den Griff zu Bio-Produkten. Diese Einschätzung teilen die meisten Naturkost-Unternehmen. Sie halten werteorientierten Konsum für den wesentlichen Wachstumstreiber.

Rapunzel ? Vorratslager im Bau: ?Mit dem häufigeren Kauf im Naturkostmarkt reagieren die Kunden auch auf aktuelle Themen wie die Finanzkrise und Umweltprobleme?, sagt beispielsweise Rapunzel-Sprecherin Heike Kirsten. Der Hersteller verzeichnete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bei allen Produkten und Warengruppen Zuwächse im zum Teil zweistelligen Bereich. Allerdings schmälert die Verteuerung der Rohstoffe als Folge von deren Verknappung die Gewinne: ?Unsere Deckungsbeiträge haben sich deutlich verringert.? Vor allem für Zucker und Kakao habe Rapunzel im vergangenen Jahr hohe Preise zahlen müssen. Traditionell pflegt das Unternehmen langjährige Partnerschaften zu Erzeugern. Doch auch die Lieferanten gingen mit der Preisentwicklung mit und erwarteten von Wettbewerbern die Abnahme gewisser Mindestmengen. In den vergangenen Jahren hat Rapunzel daher in eine Rohstoffsicherungsabteilung investiert und baut derzeit an einem neuen Lager, um mehr Rohstoffe auf Vorrat kaufen zu können. Dabei verweist Kirsten auf das Problem, dass Vorratskäufe mit einer entsprechenden Kapitalbindung einhergehen.

Taifun ? Soja aus Deutschland und Österreich: Der Tofu-Hersteller Life Food ? Taifun Tofu Produkte arbeitet ebenfalls seit langem eng mit Direktlieferanten zusammen. Die Hälfte der besonders eiweißreichen Sojabohnen für die Tofu-Verarbeitung stammt inzwischen von Bauern aus dem Oberrheingebiet und aus Österreich. ?Um unserem hohen Anspruch an transparente Herkunft und Qualität gerecht zu werden, setzen wir auch bei anderen Rohwaren auf Vertragsanbau?, sagt Jesús Bastante, Vertriebsleiter bei Life Food. So bauen beispielsweise zwei Vertragslandwirte in Deutschland und Italien für das Unternehmen Basilikum an.

Ökoland ? langfristige Lieferbeziehungen: Margret Drobek, zuständig für das Marketing beim Fleischverarbeiter Ökoland, vermutet, dass die bereits stark gestiegenen Preise, insbesondere für Bio-Schweinefleisch, noch mehr anziehen könnten: ?Eine Entspannung des Marktes ist nicht in Sicht, da sich das Angebot nur langsam steigern wird.? Die langjährigen Beziehungen zu Bio-Landwirten sicherten dem Unternehmen jetzt die Lieferfähigkeit.

Ecofinia ? ethisches Bewusstsein wächst: Monika Noack vom Marketing bei Ecofinia stellt bei Schokoladenkonsumenten ein wachsendes ethisches Bewusstsein fest. So habe der Film ?Schmutzige Schokolade?, der unter anderem Kinderarbeit auf Kakaoplantagen anprangert, zahlreiche Kundenanfragen ausgelöst, auch zu den Produkten der Marke Vivani. ?Viele Schokoladen-Liebhaber wollten sich einfach rückversichern, dass Kinderarbeit in lateinamerikanischen Bio-Kakao-Kooperativen kein Thema ist.?

Byodo ? Qualität erfordert zunehmenden Aufwand: Nicht nur für Rohstoffe zahlen Naturkost-Hersteller mehr. Auch das Erfüllen ihrer hohen Qualitätsstandards kostet sie zunehmenden Aufwand. Beispielsweise sind bei Byodo zwei der 38 Mitarbeiter im Bereich Qualitätssicherung beschäftigt. ?Wir wollen damit nicht nur die geforderten Mindeststandards unserer Branchen erfüllen, sondern Bio vom Feinsten anbieten?, sagt Lucia Neudecker, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Spielberger ? Umsatz-Wachstum bei Basis-Produkten: Auch bei Basis-Produkten wie Mehl, Haferflocken und Nudeln scheint eine wachsende Zahl von Naturkost-Käufern bereit zu sein, für Mehrwerte höhere Preise zu zahlen. Charlotte Ruck, Marketingleiterin bei der Spielberger Mühle, berichtet für 2011 von einem sehr guten Umsatz-Wachstum gerade bei Basis-Artikeln. Das Unternehmen verarbeitet Demeter-Getreide möglichst aus der Region. ?Insgesamt beobachten wir eine wachsende Wertschätzung der Verbraucher für Demeter-Qualität?, sagt Ruck. 

Indien: Land des jahres

Indien
Copyright: Horst Fiedler

Mit rund 50 Ausstellern präsentiert sich das diesjährige Gastland Indien mit Lebensmitteln in Halle 5. Auf der Indian Plaza bekommen Besucher indische Köstlichkeiten serviert. Ökologisch und fair produzierte Mode gibt es in der Textil-Area in Halle 8. Tägliche Modeschauen stellen Textilien mit Bio- und Fair-Labeln vor. Auch das Kongressprogramm widmet sich der Bio-Branche des ökonomisch aufstrebenden Subkontinents.

Sanjay Dave, Direktor der Agriculture & Processed Food Product Export Development Authority (APEDA) nennt Schwerpunkte, auf die sich das Land des Jahres bei der Präsentation in Nürnberg konzentrieren will: ?Wir wollen die Menschen für das gesamte Spektrum indischer Bio-Produkte und Öko-Textilien begeistern. Zudem informieren wir über Standards sowie aktuelle Entwicklungen in der Tierhaltung, Aquakultur und auf dem Textilsektor. Vor allem möchten wir die Glaubwürdigkeit und Authentizität von indischen Bio-Produkten zeigen. Und natürlich unser Rückverfolungssystem von der Produktion über die Zertifizierung bis zum Handel vorstellen.?

Fachhandels Forum
Was Wer
Wann
Mittwoch, 15. Februar 2012 Halle 9
Sortimentstrends im Fachhandel F. Ganz, bioVista
14 - 15
Naturkosmetik: Boom oder Flaute? Verliert der Fachh. seine Kompetenz? C. Kötzle, bioVista, K. Lösch, Kommber.Braun
15 - 16
Webtrends auf dem Prüfstand Soz. Netzwerke + neue Medien/Geräte R. Mütze
www.naturkost.de
16 - 17
   
Donnerstag 16. Februar 2012 Halle 9
Erfolgsfaktoren für Fachhändler K. Braun
10 - 11
Keine Panne mit der Spanne K. Braun, S. Döring
13 - 14
Neuprodukte & Relaunches 2009/11 F. Bartsch, bioVista
14 - 15
König Kunde: Naturwerkstatt-Tipps S. Durand, S. Müller
15 - 16
   
Freitag, 17. Februar 2012 Halle 9
Erfolgreiche Marketing-
& Werbekonzepte für den Fachhdl.
J. Michalzik, K. Braun, U. Fiedler
10 - 11
Nachhaltigkeit im Fachhandel Dr. B. Biermann
11 - 12
Unternehmensnachfolge K. Braun, E. Härter
12 - 13
Kundenbeziehungen verbessern Rautenberg/Warkus
13 - 14
   
Samstag, 18. Februar 2012 Halle 9
Spaß beim Verkaufsgespräch S. & N. Albrecht (SANT)
10 -11
Gastro-Angebot gut gestalten K. Braun, R. Roehl
11 - 12
Was Führungskräfte unterstützt C. Burth, G. Warkus
12 - 13
Warenplatzierung optimieren S. Petersen
13 - 14

 

Visionen Nachhaltigen Wirtschaftens

Nachhaltigkeit in der Bio-Branche: Kreislaufwirtschaft, konsequente Regionalwirtschaft und Zero Emission über die gesamte Wertschöpfungskette ? Alternativen zur Konventionalisierung

Moderation: Thomas Fisel, Bioland
Markus Haastert, Konvergenta InterZero, Christian Hiß, Regionalwert AG, Volker Krause, Bohlsener Mühle, Jan Plagge, Bioland

Mittwoch,15.2., 16?17.30 Uhr, Raum Istanbul

So stark ist der Naturkostfachhandel

Fundierte Informationen zu Potenzial, Struktur und Volumen des Bio-Kernmarkts in Deutschland. Marktinformationen für alle, deren Absatz sich auf diesen Markt konzentriert oder konzentrieren wird.

Dr. Heike Kuhnert, Land und Markt, Elke Röder, BNN, Sabine Kauffmann, bio verlag GmbH, Klaus Braun, Kommunikationsberatung Klaus Braun, Sabine Plaßmann-Weidauer, Uni Kassel

Mittwoch, 15.2., 16-17.30 Uhr, Raum Shanghai